Forschergruppe Rechtsrhetorik

 

 

Rhetoric of Law Research Group - Rechtswissenschaftliche Grundlagenforschung, Rechtsphilosophie, Rhetorische Rechtstheorie, Aufklärung über Rechtspraxis


Recht verstehen

 

 

Recht und Rhetorik, zwei machtvolle, im Mittelmeeraum entstandene Zivildisziplinen, haben eine gemeinsame Wurzel: die Gerichtsrede.

Spätestens mit dieser Kulturleistung, vermutlich aber seit es Sprache gibt, folgt die rechtserzeugende Praxis den Wirk- und Sprachmustern der Rhetorik. Recht wird darüber freilich nicht zu Rhetorik; die rhetorischen Faktoren des Rechts sind im Zusammenspiel mit den übrigen Bedingungen der res humanae zu sehen. Dennoch bildet rhetorisches Wissen stets eine unverzichtbare Grundlage, wenn man Rechtspraxis und Rechtslehre verstehen und in ihren Ordnungen, Verfahren und Auswirkungen rekonstruieren möchte.

Forschung & Rechtsphilosophie

Außerdem erlaubt das rhetorische Denken eine besondere Sicht auf das Recht. Die Perspektive der Rhetorik ist realistisch, genauer: sie ist minimalistisch in ihren Glaubenssätzen und Vorannahmen, dazu selbstkritisch gegenüber ihren eigenen Methoden. Sie lenkt den Blick auf das, was unter den Beteiligten wirkt und sie untersucht – teils kritisch, teils empathisch – was zu „sein“ scheint.

Theodor Viehweg, Begründer der Rhetorischen Rechtstheorie, nennt diese Betrachtungsweise zetetisch, dies im Gegensatz zu einem dogmatischen Vorgehen. Ottmar Ballweg bevorzugt das Adjektiv analytisch und meint im Übrigen, Rhetorik sei eine „der ältesten Formen der Aufklärung“.


Zitatomat

"Das normale Geschäft des Juristen besteht darin, Texte auf andere Texte zu beziehen, und daraus einen neuen Text zu fertigen." (69) " Die [mit der Digitalisierung einhergehende] Verfügbarkeit von Präjudizien und weiteren Textbausteinen hat weitere negative Konsequenzen zu gewärtigen: der aktuell zu entscheidende Fall droht in den Hintergrund zu treten und überstrahlt zu werden von den bereits bekannten entschiedenen und kommentierten Fällen. Damit steigt die Gefahr, dass die Besonderheit des Einzelfalles hinter der leichten Heranziehbarkeit von angeblich bereits Entschiedenem verschwindet." (82)

 

-->  Martin Morlok Intertextualität und Hypertextualität im Recht, in: Zugänge zur Rechtssemantik. Interdisziplinäre Aufsätze im Zeitalter der Mediatisierung, Friedemann Voge (Hrsg.) De Gruyter 2015, 69 - 90.

 


Ein Kommentar von Jens Fischer

Die Als-Ob-Beleidigung: Der Fall Böhmermann

Eine Analyse von Jens Fischer

...Er weiß, dass sein Auditorium weiß, dass er nicht beabsichtigt, Erdogan der Sodomie zu bezichtigen, und dass das Auditorium um dieses Wissen von ihm weiß. Man ist sich irgendwie einig, wer was will - oder jedenfalls nicht will. Die in Reimform geschilderten Seins- bzw. Handlungsweisen sollen allenfalls die Abneigungen des Autors vertreten. ... --> mehr

Rhetorische Figuren:

Die Forschergruppe Rechtsrhetorik interessiert sich für alle zeichenhaften Wirkmittel, die Recht "ausmachen" oder "im Recht" verwendet werden. Dazu gehören auch rhetorische Figuren und Tropen. Auf dieser Seite rechtsrhetorik.de sollen sie gesammelt und beschrieben werden. Der jeweils aktuelle Beitrag wird im Glossar unter Rhetorische Figuren einzeln abgelegt und kann dort fortlaufend verbessert und ergänzt werden.

Als Ausgangspunkt dienen die heute überwiegend gebräuchlichen Kategorien der klassischen Figurenlehre. Für sie spricht eine lange Lehrtradition, mit der möglicherweise auch eine entsprechende Praxis korrespondiert. Über den empirischen oder logisch-systematischen Wert der Begriffe sagt dies freilich nichts aus.

Jeder Artikel beginnt mit Beispielen. Diese können auch aus nicht-rechtlichen Zusammenhängen stammen, sollten mit der Zeit jedoch durch rechtstypische ersetzt werden. Wir freuen uns über Ihre Beiträge! LG.vonSchlieffen@FernUniversitätHagen.

Alliteration

Panama Papers; knallharter Knastalltag; Leviten lesen; peinliche Promipatzer.

Die Wortfolge kann unterbrochen werden: Land der Dichter und Denker.

Auch in zusammengesetztem Wort: Börsenboom; Grundgesetz; kleinkariert; Verwaltungsvollstreckung.

Alliteration über gleichen Anfangslaut,nicht notwendig gleichen Buchstaben:

Der frühe Vogel fängt den Wurm. mehr


Eristik

Wie wird hier argumentiert?

Rhetorik-seminare

Termine für LL.B. Rhetorikseminare des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, juristische Rhetorik und Rechtsphilosophie, FernUniversität in Hagen

 

Dazu mehr...


Endoxon – nie gehört!

Eigentum verpflichtet – Weniger ist mehr – Deutschland ist ein säkulares Land – Lieber spät als nie – Hinterher ist man klüger – Gleiche Rechte, gleiche Chancen

 

Ein Endoxon ist eine rhetorisch besonders wirksame, begründungsstarke Meinung (doxon). Im Unterschied zu der einfachen Meinung, gar der „unbeachtlichen“ oder „unvertretbaren“ Äußerung oder auch den „vereinzelten“ oder „erst im Vordringen befindlichen“ Auffassungen, juristisch „Mindermeinung“ genannt, werden Endoxa weithin respektiert. dazu mehr...

Berühmte Rhetoriker

Korax und Teisias

Die dokumentierte Geschichte der Rhetorik nimmt ihren Anfang im fünften Jahrhundert nach Christus mit einem berühmten Duo: dem Rhetoriklehrer Korax (Κόραξ) und seinem Schüler Teisias (Τεισιας), der (später) ebenfalls Rhetoriklehrer war. Sie gelten als die Begründer der Rhetorik, was freilich aber nur im Hinblick auf deren Verschriftlichung und Transformation zu einem Lehrstoff Sinn ergibt dazu mehr...


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